Aphasiker-Zentrum Oberfranken e.V.
Hilfe für Menschen mit Sprachstörung und deren AngehörigeBeratungszentum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung e. V.
Startseite> Aphasie> Umgang mit Aphasikern

Umgang mit Aphasikern

„Man kann nicht nicht kommunizieren“
(Paul Watzlawick, Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeut, 1921-2007)

Wie stark auch die Sprache gestört sein mag: Wir teilen uns immer mit: durch Laute, Gesten, Mimik, Blicke, Körperhaltung und –bewegung, Nichtreagieren. Obwohl nach hirnorganischen Erkrankungen auch diese Fähigkeiten eingeschränkt sein können, bleiben sie doch in der ein- oder anderen Weise erhalten.
Sich einander zuzuwenden und sich mitzuteilen ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Manchmal aber überschatten negative Stimmungen oder Wahrnehmungsprobleme den Antrieb. Aphasien und ihre Begleitsymptome erschweren demnach die Interaktion insgesamt.

Es macht also Sinn, zu schauen, was die Interaktion zwischen aphasischen und nichtaphasischen Menschen erleichtern kann:

Allgemeine Empfehlungen:

  • Kommunikation ist ein gegenseitiger Prozess: Beide Partner sollten sich aufeinander einstellen!
  • Nehmen Sie sich Zeit für das Gespräch
  • Prüfen Sie: Muss das, was ich noch tun möchte, unbedingt jetzt getan werden?
  • Wenn das Sich-mitteilen gerade nicht gelingt: Entlasten Sie den Partner oder verschieben das Gespräch
  • Bedenken Sie: Auch das, was ich nicht laut sage, teilt sich dem anderen mit!
  • Bedenken Sie: Was kann mein Partner können? Welche Fähigkeiten sind eingeschränkt?

Grundsätzliches für die Gesprächssituation:

  • Keine Kindersprache verwenden
  • Kein extralautes Sprechen
  • Respektierung des Menschen, nicht des „Kranken“

Im Gespräch mit Aphasikern stören:

  • Hintergrundgeräusche
  • Zeitdruck
  • Durcheinander reden
  • - Etwas tun und gleichzeitig sprechen

Im Gespräch mit Aphasikern helfen:

  • Blickkontakt
  • Ruhe
  • Zeit
  • Stift und Papier
  • Kommunikationsbücher
  • Gestik, Mimik
  • Gegenseitige Entlastung: „Später“
  • Signalisieren von Verständnis

Damit Sie den Aphasiker besser verstehen:

  • Warten: nicht den Redefluss unterbrechen
  • Warten: nicht voreilig mit Worten aushelfen
  • Warten: Pausen aushalten
  • Nichtverstehen mitteilen
  • Verstandenes wiedergeben: „Ich habe jetzt DAS verstanden: meintest du das?“
  • Wenn der Andere aufgibt: Ermutigen, helfen, z.B. durch Ja-/ Nein-Fragen, Gesten
  • Bei Hängenbleiben einschreiten
  • Formfehler nicht berichtigen, wichtig ist der Inhalt!
  • Nicht zum Nachsprechen auffordern außerhalb einer Übungssituation!

Damit der Aphasiker Sie besser versteht:

  • Gesprächsbeginn signalisieren: „Hör mal, Peter..“
  • Themenwechsel ankündigen: „Jetzt will ich über xxx sprechen…“
  • Langsam und deutlich sprechen
  • Pausen machen
  • Kurze, einfache Sätze verwenden
  • Bei Unverständnis: Wörter wiederholen / anderes Wort suchen
  • Wichtige Worte betonen

Kommunizieren bei Aphasie bedeutet:

  • Geduld haben
  • beobachten
  • mitdenken
  • verstehen wollen
  • Verständnis zeigen
  • mit dem Herzen hören