Aphasiker-Zentrum Oberfranken e.V.
Hilfe für Menschen mit Sprachstörung und deren AngehörigeBeratungszentum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung e. V.
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Begleitsymptome

Oft ist bei einer Aphasie nicht nur die Sprache betroffen. Andere Symptome können die Kommunikation zusätzlich erschweren:

Stimm- und Sprechstörungen (Dysarthrien, Sprechapraxien)

Teilweise ist nach einer hirnorganischen Erkrankung die Artikulation erschwert. Die für die Artikulation notwendige Koordination von Atmung, Lippen, Zunge, Muskelspannung im Mund- und Rachenbereich ist gestört. Manchmal sind auch der Stimmklang und die Sprechmelodie verändert. Auch diese Beeinträchtigungen können durch die Sprachtherapie verbessert werden.

Schluckstörungen (Dysphagie)

Viele Betroffene leiden gerade in der ersten Zeit unter Schluckstörungen. Auch das Schlucken kann mit therapeutischer Unterstützung wieder erlernt werden. Logopäden oder Sprachtherapeuten führen ambulant Schlucktherapien durch.

Halbseitenlähmungen (Hemiparese)

Da die Nervenbahnen im Gehirn zur anderen Körperhälfte kreuzen, ist bei Aphasikern oft die rechte Körperhälfte von Lähmungserscheinungen betroffen. Die linke Hirnhälfte wurde geschädigt, das Sprachzentrum sowie nebenliegende motorische Hirnareale betroffen, die Nervenbahn kreuzt, somit tritt die Lähmung auf der rechten Seite auf.

Veränderte Körperwahrnehmung / Sensibilitätsstörungen

Berührungen, Temperaturunterschiede und Schmerzen werden zum Teil schlecht oder verfälscht wahrgenommen (Dysästhesien).
Ebenso kann es vorkommen, dass die gelähmte Körperhälfte gar nicht mehr wahrgenommen wird (Neglect).

Störungen der Bewegungskoordination (Apraxie, Ataxie)

Die Planung und Ausführung von Bewegungen und Handlungsabläufen kann gestört sein. Oftmals so stark, dass selbst eingeübte Handlungen wie z.B. das Bürsten der Haare oder die tägliche Rasur nicht selbständig durchgeführt werden können. Ergotherapeuten unterstützen die Betroffenen beim Wiedererlernen dieser Alltagsfähigkeiten.

Gesichtsfeldausfälle (Hemianopsien)

Es können Sehbehinderungen durch Einschränkungen eines Gesichtsfeldes vorkommen. Die Raumwahrnehmung ist hierdurch verändert. Insbesondere das sich Bewegen im Straßenverkehr kann aus diesem Grund stark erschwert sein.

Krampfanfälle (Epilepsien)

Viele Aphasiker kämpfen mit wiederkehrenden Krampfanfällen. Hier ist es wichtig, nicht aufzugeben, bis die wirklich passende Medikation gefunden ist!

Störungen von Konzentration, Aufmerksamkeit, Merkfähigkeit und Gedächtnis (Neuropsychologische Auffälligkeiten)

Oft treten bei Aphasikern plötzliche Konzentrationseinbrüche auf. Das Gehörte oder Gesehene kann nicht mehr verarbeitet werden, es rauscht einfach vorbei. Grund hierfür ist eine verminderte Aufmerksamkeits- und Konzentrationsspanne. Auch fällt es Betroffenen manchmal schwer, sich Dinge im Alltag zu merken. Manchmal ist auch das Langzeitgedächtnis gestört. Alle genannten Bereiche können ambulant mit Unterstützung eines Neuropsychologen trainiert werden.

Veränderung des Antriebs

Aphasikern fällt es oft schwer, selbst aktiv zu werden und wie gewohnt die Initiative zu ergreifen. Eine Selbsthilfegruppe kann hier Abhilfe schaffen, denn in der Gruppe ist es leichter, sich gegenseitig zu motivieren.

Auffälligkeiten im Gefühlsbereich und sozialen Verhalten

Nach einer hirnorganischen Erkrankung kann es vorkommen, dass Gefühle oft schlechter kontrolliert werden können. Ärger, Freude und Trauer werden spontaner geäußert. Oftmals müssen Familie und Freunde sich erst an dieses veränderte Verhalten gewöhnen. Viele Aphasiker entwickeln auch Depressionen oder Ängste, z.B. sozialer Art oder vor einem erneuten Schlaganfall. Es ist wichtig, diese zu erkennen und sich Unterstützung zu holen: durch Gespräche mit Freunden oder der Familie, Psychologen, Seelsorgern, Ärzten.