Aphasiker-Zentrum Oberfranken e.V.
Hilfe für Menschen mit Sprachstörung und deren AngehörigeBeratungszentum Oberfranken für Menschen nach erworbener Hirnschädigung e. V.
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Formen der Aphasie

Da bestimmte sprachliche Symptomatiken häufig gleichzeitig auftreten, werden Aphasien in der postakuten Phase in Kliniken und Praxen überwiegend nach Syndromen klassifiziert. Die vier bekanntesten sind:

Globale Aphasie

Die schwerste aphasische Störung. Die Spontansprache, das Sprachverständnis, Lesen und Schreiben sind schwer beeinträchtigt. Der Betroffene kann nur Teile von Worten sprechen oder äußert Reihen sinnloser Silben („tatatata“) oder automatisierte Floskeln („ohgott ohgott“).

Broca-Aphasie

Stockendes, meist mühsames Sprechen mit vielen Sprechpausen. Es werden Laute verwechselt und Sätze abgebrochen. Die Sprache ist grammatikalisch entstellt und kann an den Stil von Telegrammen erinnern (Agrammatismus). Dies spiegelt sich auch beim Lesen und Schreiben wider. Das Sprachverständnis ist weniger beeinträchtigt.

Wernicke-Aphasie

Flüssiges, oft überschießendes Sprechen (Logorrhoe), das dennoch für den Kommunikationspartner manchmal nicht gut verständlich ist. Ursachen hierfür sind u.a. Wort- und Lautverwechselungen, ein fehlerhafter und verschachtelter Satzbau (Paragrammatismus), Wiederholung inhaltsarmer Redefloskeln (Jargon). Das Sprachverständnis ist oft stark gestört.

Amnestische Aphasie

Kennzeichen der Amnestischen Aphasie sind Wortfindungsstörungen. Das Sprachverständnis sowie die Fähigkeit zu lesen und schreiben sind erhalten. Der Sprachfluss ist unauffällig, wird aber vereinzelt durch Wortfindungsstörungen und Satzabbrüche verzögert.

Neben diesen vier bekanntesten gibt es noch weitere Aphasieformen. Diese Klassifizierung erleichtert vor allem die Kommunikation unter Fachleuten. In der Praxis treten aber oft verschiedene Symptome oder Störungen gleichzeitig auf. Für Therapeuten ist es daher oft sinnvoller, die spezifischen Störungen in den einzelnen sprachlichen Bereichen anzuschauen und ihre Therapie daran auszurichten.

Störungen in den einzelnen sprachlichen Bereichen

Sprachproduktion

Die gesprochene Sprache ist bei allen Betroffenen in unterschiedlichem Ausmaß gestört. Die einen finden die Wörter nicht, vertauschen sie, bilden neue Wörter oder haben Mühe, sie auszusprechen. Andere sprechen flüssig, fast zu schnell, verwechseln dabei Wörter und bilden grammatikalisch falsche Sätze. Wieder andere wiederholen die immer gleichen Redefloskeln, ohne dass sie dies beeinflussen könnten.

Sprachverständnis

Auch das Verstehen der gesprochenen Sprache kann gestört sein. Manche Aphasiker verstehen zwar einzelne Wörter, aber es gelingt ihnen nicht, ihren Zusammenhang im Satz zu erfassen. Manchmal werden ähnliche Wörter verwechselt. Es fällt demnach manchen Aphasikern schwer, einem Gespräch zu folgen, insbesondere wenn schnell gesprochen wird oder es mehrere Gesprächspartner gibt. Die Ursache hierfür ist keine Hörstörung, sondern eine Störung der Sprachverarbeitung. Im schlimmsten Fall nimmt der Betroffene den Klang des Wortes wahr, erfasst aber nicht dessen Bedeutung – so wie in einem fremden Land, dessen Sprache er nicht beherrscht.

Störung des Lesens

Ähnlich wie das Verstehen gesprochener Sprache kann auch das Verstehen geschriebener Sprache gestört sein. Beispielsweise kann es sein, dass die Gestalt eines Wortes erkannt, aber nicht dessen Bedeutung erfasst wird. Ebenso kann es sowohl beim stummen als auch beim lauten Lesen zu Wort- oder Lautverwechslungen kommen bzw. die Wörter im Satzzusammenhang nicht verstanden werden. So kann das Lesen zu einer anstrengenden Arbeit werden.

Störung des Schreibens

Die Fähigkeit zu Schreiben kann ebenfalls unterschiedlich stark gestört sein. Dies hat nichts mit einer möglicherweise vorhandenen Lähmung der rechten Hand und dem „Umschulen“ auf die ungeübte Seite zu tun. Vielmehr kann der Weg vom Bild des Wortes oder Lautes im Kopf zur Ausführung auf dem Papier behindert sein. Die graphische Form kann nicht mehr oder nur unvollständig konstruiert werden. Die Fehlerarten ähneln denen, die in den anderen sprachlichen Bereichen vorkommen: Auslassungen, Verwechslungen, Abbrüche.

Störungen beim Umgang mit den Zahlen

Neben den Beeinträchtigungen beim Lesen und Schreiben können auch Probleme beim Umgang mit den Zahlen auftreten. Zahlen können teilweise nicht mehr richtig erkannt werden.